Wer war Hitler

Ein Film von Hermann Pölking

DE 2017, 450 Min. (Festivalfassung)/ 180 Min. (Kinofassung),
deutsche OF, englisch OF

Buch und Regie: Herman Pölking
Schnitt: Julio Olmo Poranzke
Komposition: Julius Holtz
Produktion: Thorsten Pollfuß
 

Presseschau

Stand: Dezember 2017

 

Wer war Hitler hat nach seinen beiden Premieren im Juni 2017 (Langfassung beim „Filmfest München“) und November 2017 („Weltpremiere in der Provinz“ am 8. November 2017 in Vechta) sowie dem bundesweiten Kinostart am 16. November 2017 eine breite Resonanz in den Medien gefunden. Neben ganz überwiegend positiven Besprechungen gab es auch Kritik, die im Spektrum Positionen selbst kontrovers und widersprüchlich ausfiel. In der Einladung an die Produzentin „Epoche Media“ begründete Christoph Gröner, Programm-Leiter „Neues Deutsches Kino“ der Internationalen Münchner Filmwochen GmbH, die Einladung, Wer war Hitler auf dem „Filmfest München 2017“ zu präsentieren, im April 2017 so: „Die Einbettung der Biographie Hitlers in Bild und Ton in soziologische, technologische und politische Entwicklungen - in der Verhaftung in der unmittelbaren Zeitzeugenschaft - fanden wir äußerst eindrucksvoll. Etwas bisher nicht Versuchtes in Bezug auf Hitler.“

Wer war Htiler - Screenshot 1Die FWB, die Deutsche Film und Medienbewertung, verlieh Wer war Hitler im November 2017 das Prädikat „wertvoll“. Die fünfköpfige Jury diskutierte anscheinend sehr kontrovers über die Machart und Dramaturige der Dokumentation. „Diese Dramaturgie ... stellt hohe rezeptive Anforderungen an die Zuschauer. Ausgiebig und durchaus kontrovers diskutierte die Jury über den Sinn dieses Vorgehens. Für einen Teil zeigte sich diese extreme Collagierung als Möglichkeit aus den Fragmenten ein Bild Hitlers zusammenzufügen, für die Anderen dagegen erwies sich Wer war Hitler dadurch als ein Film, der sich gegen das wahrnehmungspsychologische Potential seiner Zuschauer richtet.“ Teile der FBW-Jury sahen eine „gnadenlose Taktung“ des Films, der der „letztlich ein wenig die volle Entfaltung der Wirkung einer gelungenen Text-Bild-Schere, die vereinzelt andere Rezensenten eher kritisch sahen: „Dramaturgisch interessant wird der Film immer dann, wo die Bild- nicht der Textebene folgt. So etwa, wenn Pölking die 12-tägige Hochzeitsreise des Ehepaars Höse zeigt, während er auf der textuellen Ebene die zeitgleich stattfindenden Ereignisse zitiert, die den Zweiten Weltkrieg auslösten. Dies zeigt, dass es vielen Deutschen möglich war, die welterschütternden Ereignisse bewusst zu verdrängen.“ Die Jury würdigte abschließend die Recherche und Sichtung des umfangreichen Stock Footage und Wer war Hitler „aufgrund seiner eindeutigen Qualitäten und der großen Leistung der Recherche und Aufbereitung des Materials mit dem Prädikat ‚wertvoll‘ aus.“

Das Filmecho, die Fachzeitschrift der Filmwirtschaft in Deutschland, wählte Wer war Hitler im November 2017 zur „Dokumentation des Monats“. „Die umfassende Recherche, die dem Film vorausging, beeindruckt durch ihre sorgfältige Aufbereitung und Montage und ermöglicht nicht nur einen umfassenden Blick auf eine historische Figur, sondern auch auf die Zeit, in der Hitler lebte und durch sein Tun wirkte. Dies macht Hitler neben einer umfassenden Biografie zu einer faszinierenden Gesellschaftsstudie Deutschlands und Europas von 1889 bis 1945.“

Wer war Htiler - Screenshot 3

Die Volksstimme aus Magdeburg, die Westfälischen Nachrichten aus Münster, die Tageszeitungen des Schleswig-Holsteiner Zeitungsverlages und die Westdeutsche Allgemeine Zeitung aus Essen sowie mehr als 40 weirtere regionale Tageszeitungen veröffentlichten die Besprechung der beiden Fassungen von Wer war Hitler durch Cordula Dieckmann für die dpa Deutsche Presse Agentur. „Wer war Hitler? Ein Terrorherrscher, einer der schlimmsten Verbrecher der Menschheitsgeschichte, ein Wahnsinniger? Ein ungewöhnlicher Kinofilm versucht, darauf eine Antwort zu geben.“ Herausgekommen, so Dieckmann für die dpa, sei „ein gut dreistündiger monumentaler Dokumentarfilm mit interessanten Einblicken, vor allem in den Alltag der Menschen jenseits der großen Polit-Ereignisse. Pölking hat tief in Archiven nach Filmschnipseln aus dieser Zeit gegraben, darunter auch Amateuraufnahmen. Viele hat man so noch nie zu sehen bekommen.“

Jörn Seidel begann seine umfassende Besprechung in Zeit Online am 16. November mit einer Beschreibung der Eingangsszene. „Der groß angelegte Kino-Dokumentarfilm Wer war Hitler beginnt fernab von Braunau am Inn, in Neuseeland. Maori-Tänzer verabschieden feierlich Kriegsfreiwillige, die zum Fronteinsatz in Europa einschiffen. Kurz danach fallen in den Bergen Italiens Schüsse. Von einem unerbittlichen Nahkampf zwischen Neuseeländern und Deutschen ist die Rede. Erst dann tritt Adolf Hitler in Erscheinung, und die Geschichte in Braunau am Inn beginnt. Die Bilder aus Neuseeland allerdings wirken nach, die der tanzenden Maori mit ihrer markanten Mimik und Gestik, die ihrer Landsleute in Uniform. Dieses Filmdokument macht weder Hitler begreifbarer noch dient es sonst einer Deutung der NS-Zeit. Am Rande der großen Geschichtsnarrative wirkt es wie ein Detail und macht dadurch dessen Dimension deutlich.“

Wer war Htiler - Screenshot 5Seidel weiter: „Mit großem Respekt vor dieser individuellen Wirkkraft jedes Bildes behandelt der Regisseur und Autor Hermann Pölking jene Fundstücke, die er für seine Kompilationsfilme weltweit aus Archiven und privaten Sammlungen zusammenträgt.“ Der Rezensent geht intensiv auf den theoretischen Ansatz des Films ein, wenn er sich z.B. mit der Frage beschäftigt, ob Hitler eine „charismatische Herrschaft“ ausgeübt habe. „Das zu veranschaulichen gelingt Pölking in weiten Teilen sehr überzeugend. So skizziert er anhand von Zitaten den unbedingten Willen Hitlers zur absoluten Autorität, die nichts anderes duldet als radikale Unterwerfung: ‚Ich halte mich für berechtigt, von jedem deutschen Soldaten das Opfer seines Lebens zu fordern‘ Zugleich zeigen die Bilder einen Mann, der sich geschickt als Führungsfigur inszeniert, obwohl er privat oft verklemmt und blass wirkt.“ Seidel bedauerte in „Zeit Online", dass Wer war Hitler nicht öfter die Perspektive von Hitler auf andere Personen wechselt, wie es z.B. Ken Burns in vielen seiner Dokumentationen gemacht habe, zieht aber das Fazit: „Hier ist es die Strenge der Dramaturgie, die über die riesige Textcollage hinweg fesselt: Zum einen bezeugen die Schilderungen eine erstaunliche Gleichzeitigkeit, zum anderen tauchen manche Zitatgeber so häufig auf, dass sie einem zu vertrauten Personen werden. Der Abstand zu seinen Vorbildern ist Pölking indes bewusst‘. Seidel zitiert aus Pölkings Buch mit dem gleichen Titel: „Mein Garn ist nicht so dicht verwoben wie das von Burns und Kempowski.“ Die Besprechung sieht in der Dokumentation einen konsequenten Gegenentwurf zu vielen TV-Dokus: „Zu solchen TV-Dokus bietet Hermann Pölking einen Gegenentwurf.“ Und lobt: „Pölking beweist großes Gespür für Bilder mit hintersinnigem Witz.“

Gustav Seibt hat in einer umfangreichen Besprechung in der Süddeutsche Zeitung hier und da etwas auszusetzen, spart aber nicht mit Lob an Wer war Hitler. „Der Zuschauer wird nicht unter die Überwältigungsästhetik der NS-Propaganda gezwungen.“ Seibt stellte den Film in Reihe mit einem Werk der deutschen Literaturgeschichte: „Das aufschlussreichste Vergleichsunternehmen zu Pölkings Film sind Walter Kempowskis Textcollagen in dem „Echolot“-Projekt. Darin machte Kempowski den Versuch, aus Hunderten von Einzelstimmen ein kollektives Tagebuch des Zweiten Weltkriegs zu arrangieren. Natürlich war das ein Kunstwerk, zusammengeschmolzen auf Authentizität. Und so verhält es sich auch bei Pölkings Großwerk. Es hat Leitmotive, Kontraste, es setzt Hierarchien und erzeugt komische Effekte“. Ein Fazit der Süddeutschen Zeitung: „Unheimlich nah.“

Sebastian Bauer stellte in der Berliner, B.Z. den Film vor und sprach zuvor mit dem Autor und Regisseur. „Leicht macht es Hermann Pölking seinen Zuschauern wirklich nicht. 191 Minuten in der Kinoversion und stolze 450 Minuten in der Festivalfassung wälzt sich seine neue Doku Wer war Hitler über die Leinwand. ‚Im Kino kann ich die Leute dazu bringen, sich beim Betrachten eines Films über Hitler wirklich anzustrengen‘, erklärt der Regisseur im B.Z.-Gespräch. Mit seinem Mammut-Projekt beweist er aber auch, warum sein Werk die erst dritte Hitler-Dokumentation fürs Kino ist. Gut verdaulich darf ein Film über einen der größten Massenmörder der Geschichte nicht sein, damit hat Pölking recht. Seine fast schon erschreckend akribische Arbeitsweise zeigt außerdem, dass der Historiker wirklich jede Quelle dreimal durchgeschaut hat, bevor er Wer war Hitler die finale Schnittfassung verpasste.“

Wer war Htiler - Screenshot 4Bild am Sonntag Reporter Helmut Böger war zur Premiere der Langfassung nach München gereist. BILD spendierte dem Film eine ganze Seite. „Die immense Fleißarbeit des Autors und seines Teams bietet tatsächlich selbst denen noch etwas Neues, auch gelegentlich Aufregendes, die glauben, die Biografie Hitlers und die Geschichte des Dritten Reichs gut zu kennen.“

Jörg Meyer betont in einer Besprechung des Films in der Langfassung „mit hochaktuellem Bezug“ in den Kieler Nachrichten, dass der Film Interesse und Engagement verlange. Der Zuschauer werde mit mehr als einer filmischen Hitler-Biografie belohnt. „Mit insgesamt siebeneinhalb Stunden Dauer verlangt sie vom Zuschauer einige Geduld, die aber durch bisher unveröffentlichte Archivaufnahmen und einen nie dagewesenen Blick auf Hitler belohnt wird. … Wer war Hitler ist nicht bloß, ein Film über Hitler, sondern über eine Zeit, deren lange Spur sich bis heute in die europäische und Weltgeschichte zieht.“

Hannah Lühmann passte in Welt am Sonntag vom 25. Juni 2017 nicht, dass es Wer war Hitler nach ihrer Ansicht gar nicht um Hitler geht: „Das Problem dieses Films ist nicht, dass er über der Frage ‚Wer war Hitler‘ ins ‚Spiegel‘-Coverhafte … oder gar ins Guido-Knopp-Abendprogrammhafte verfällt, sondern dass er sie jenseits des Titels weder stellt noch verhandelt. Der Film könnte auch ‚Anschauungen zum Alltag in Nazideutschland‘ heißen und zufällig anhand der Biografie Hitlers geordnet sein. Warum denn überhaupt die Frage nach Hitler? … Vielleicht ist diese Sehnsucht nach dem Rohen, Unkommentierten auch Ausdruck unserer allgemeinen Besessenheit vom ‚Echten‘.“ Wer war Hitler erzeuge eine „merkwürdige Reibung“, an der er scheitere: „Er bedient sich einer Methode, die man der avantgardistischen Kunst zurechnet (Protokoll statt Narrativ). Dieser Film ist Symptom eines Kampfes um Deutungshoheit, ein Hadern mit dem Kommentar selbst. Es ist dasselbe Hadern, das sich in der Diskussion um die einhegenden Kommentare in der ‚Mein Kampf‘-Edition des Münchner Instituts für Zeitgeschichte zeigt.“

Auch wenn die Rezensentin das schlecht fand. Die „Deutungshoheit“ will Wer war Hitler dem Zuschauer zuweisen. Darin sah Dirk Dasenbrock in der Oldenburgischen Volkszeitung vom 23. Juni 2017 im Gegensatz zu Lühmann einen Vorteil: „Vier Jahrzehnte nach Fests Film bietet Wer war Hitler einen neuen und zeitgemäßen cineastischen Zugang: ‚Wer war Hitler‘ erklärt nicht, sondern liefert Informationen und Eindrücke zur Selbsterkenntnis, indem er Hitlers Leben und Wirken in ein umfangreiches Zeit- und Gesellschaftspanorama der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts stellt.“

Wer war Htiler - Screenshot 2„Braucht die Welt noch einen Dokumentarfilm über Adolf Hitler? Dazu noch einen, der siebeneinhalb Stunden lang ist und den anmaßenden Titel ‚Wer war Hitler‘ verpasst bekommen hat?“ fragt Wilfried Hippen in der tageszeitung, taz (Nord) vom 21. September 2017. „Der Regisseur Hermann Pölking hat andersherum gedacht: Er wollte einen Dokumentarfilm mit einem großen Budget machen und das geht in Deutschland immer noch am besten mit diesem Thema. Das mag zwar pragmatisch, wenn nicht sogar zynisch gedacht sein, aber das Ergebnis ist dann doch erstaunlich originell.“

Matthias Pfeiffer wünschte sich seiner Kritik in der Abendzeitung (München, nicht online) mehr von diesem originellen Ansatz: „‚Wer war Hitler‘ ist zweifelsohne einer der faszinierendsten Dokumentarfilme zu diesem schwierigen Themenkomplex. Im Endeffekt wünscht man sich das komplette 20. Jahrhundert in dieser Art erzählt.“

„Ein kinematographisches Epos“ hat Karlen Vesper im Neues Deutschland vom 15. November 2017 in dem Film gesehen und ihre Besprechung unter den Titel gestellt: Er mäandert wieder. Oder immer noch?“ Vesper vermisst zwar einen direkten Gegenwartsbezug, sagt aber „Ja, dieser Film ist Anklage und Mahnung.“ Um dann zu fragen, ob er nicht nur bei jenen, die menschlich fühlen und politisch sensibilisiert sind, wirken würde. Das „Neue Deutschland“ vermisst zudem eine klare Aussage: „Als reiner Kompilationsfilm, ohne Wertung und Urteil, erscheint er riskant-neutralistisch“. Sie gesteht aber, Wer war Hitler sei „eine Biografie, wie sie noch nie erzählt worden ist. Ausschließlich aus der Sicht von Dabeigewesenen, Deutschen aus fast allen sozialen Schichten und politischen Strömungen, von Mitläufern, Mittätern, Opfern und Oppositionellen, aber auch ausländischen Staatsmännern und Feldherren.“

Der Filmkritiker und Dokumentarfilmer („Hitlers Hollywood“) Rüdiger Suchsland hat sich am 14. November 2017 im Kulturthema des SWR 2 in seiner Film-Besprechung „Der Aufstieg des Bierhallenhetzers“ auch mit der offenen Form der Dramaturgie auseinandergesetzt: „Kapitelweise, in chronologischer Reihenfolge, arbeitet sich der Film durch das Leben Hitlers, rekonstruiert seinen Aufstieg als Bierhallenhetzer und Sonderling zum politischen Erlöser und Verbrecher. Eine Interpretation wird nicht geboten und man kann argumentieren, dass in dieser Freiheit des Betrachters auch eine Feigheit des Machers liegt. Ein neuer Historismus, in der im bewegten Wimmelbild der vielen Stimmen, im urteilsfreien Geschichtsdiskurs nicht die Einheit der Vernunft sichtbar wird, sondern das Chaos des Relativismus.“ Das zwingt zum Fazit: „Dieser Blick auf Hitler ist anders. Er ist wie eine Meditation über das ‚Dritte Reich‘ und den deutschen Faschismus. Und solch eine Meditation braucht Zeit. Hermann Pölkings Dokumentarfilm widmet sich dem Leben und der Person Adolf Hitlers. Noch mehr aber entfaltet dieser Film den Alltag Deutschlands und seiner Menschen, in ihren Selbstbeschreibungen.“

Der Berliner Filmjournalist Knut Elstermann gab Wer war Hitler in der Berliner Morgenpost vier von fünf Kritiker-Sternen. In seiner Sendung „12 Uhr mittags“ auf RBB Radio Eins vom 19. November 2017 nannte er den Film ein monumentales stundenlanges Werk mit großem Fleiß, mit großer Inspiration geschaffen“. Es würden unverbrauchte filmische Dokumente gezeigt. Und es sei „ein großer Reiz, einmal Filme zu sehen, die man noch nicht tausendmal gesehen hat und nicht schon tausendmal gesehen hat in irgendeiner Form.“ Allerdings setze der Film einen zur Beschäftigung bereiten, „mündigen, denkenden, auch kritischen Zuschauer“ voraus.

„Nur harte Schnitte“ übertitelte der Freitag ein ganzseitiges Interview des Filmemachers mit dem Filmhistoriker Dirk Alt. „Hinter dem Titel Wer war Hitler verbirgt sich ein multiperspektivischer Blick auf die Person des Diktators und die Ära, die ihn hervorbrachte. Mit seiner konsequent durchgehaltenen Erzähltechnik, die sich fast ausschließlich auf Zitate von Hitlers Zeitgenossen und auf Archivfilme stützt, grenzt sich Wer war Hitler vom ordinären History-Fernsehen ab. Das Resultat mag man intellektuell stimulierend oder geschwätzig finden – als ehrgeiziger Versuch, Zeitgeschichte ins Kino zu bringen, ist es zu würdigen.“ In einer Frage wirft Alt dem Schauspieler Jürgen Tarrach vor, Hitlers Sprachduktus „nachzuäffen“ (Pölking widerspricht heftigst) und fragt, ob sich der Film damit nicht in die Niederungen der Karikatur begeben habe.

Der Moderator und Redakteur Ulrich Biermann wiederum, der in der Sendung Resonanzen (WDR 3) in einem Studiogespräch den Film am 15. November 2017 vorstellte, fand, Jürgen Tarrach treffe den richtigen Ton, mache das „großartig“. „Ich höre, wie jemand behauptet etwas zu sein. Ich höre eine Stilisierung. Und diese Stilisierung, diese Autosuggestion Hitlers, die spielt ja eine große Rolle.“

Aljoscha-Marcello Dohme schrieb im Weser Kurier vom 22 September 2017, Tarrachs Stimme erinnere in Wer war Hitler zwar an die von Hitler, er imitiere ihn aber nicht. „Seine Herangehensweise ist brillant.“ Der „Weser Kurier“ war voll des Lobes: „Die Dokumentation ist eine ausgezeichnete Biografie Hitlers, die an seinem Geburtstag beginnt und mit seinem Tode endet. Dabei hält sie viele spannende Details bereit, die zuvor kaum bekannt waren.“

Julia Hitz hat auf der Website der Deutsche Welle am 24. Juni 2017 die Eventfassung (7 ½ Stunden) des Films vorgestellt. „Der Filmemacher hat es fast durchgehend vermieden, den schreienden Hitler bei einer seiner vielen erhaltenen Reden zu zeigen.“ Der Film sei „erstaunlich lärmfrei“. „Das Stummfilmmaterial ist dezent nachvertont, die Musik setzt subtile Akzente. Das populistische Auftrumpfen des hypnotischen Redners tritt in den Hintergrund - so schimmert mehr von der Substanz des Menschen durch.“

„Die Geräuschkulisse ist hervorragend gemacht“ lobte auch Moritz Senft-Raiß im Münchener Radiosender afk M94.5 am 25. Juni 2017 den Umgang mit Tönen: „Um den ganzen einen oben drauf zu setzten, wurden die stummen Filme mit Geräuschen versehen. Wenn wir also Hitler und Goebbels sehen, wie sie in einem Waldstück am Obersalzberg spazieren gehen, hören wir gleichzeitig Vögelzwitschern, Schritte und Waldgeräusche. Dadurch entsteht ein besonders plastisches Bild, anstatt des geräuschlosen und unwirklich scheinenden Eindrucks, wie in üblichen Dokus.“

Rudolf Worschek hat in seiner Kritik von Wer war Hitler in der Filmzeitschrift EPD Film darauf hingewiesen, dass der Film zwar Aufnahmen vom Obersalzberg mit einem „eher linkischen Hitler“ und Eva Braun im Badeanzug zeige. „Aber allzu viel Hitler privat vermeidet Pölking ebenso wie allzu wohlfeile Psychologie. Warum der Antisemitismus auf einmal zum Thema für Hitler wird, erklärt der Film nicht. Dafür zeigt er die Erschießungen durch die Einsatzgruppen und das Verhungern in den Ghettos und Kriegsgefangenenlagern. Wer war Hitler bleibt, wenn man so will, angenehm an der Oberfläche.“ Schließlich, so Worschek, sei der Titel des Films „auch keine Frage.“ Im Unterschied zur Ton-Ebene (wo die Zitierten stets vorgestellt werden) würden die Anlässe der bewegten Bilder selten benannt. „Und oft sind die Schnipsel so schnell zusammengeschnitten, dass sie kaum Zeit haben zu wirken. Aber gerade die Montagen der Aufmärsche und Straßenkämpfe in den späten Tagen der Weimarer Republik sind beeindruckend und sagen etwas über die Zurichtung der Menschen in dieser Zeit aus.“

 

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