Wer war Hitler

Ansichten und Berichte von Zeitgenossen

Titel des Buxhes Ostpreussen - Biographie einer Provinz von Hermann Pölking

 

784 Seiten, 95 Abb., 15,5 x 23,0 cm, Gebunden mit Schutzumschlag
be.bra verlag, Berlin, November 2016
36,– €

ISBN 978-3-89809-133-6

 

Die Biographie, die Hitlers Zeitgenossen schrieben

Wie kann man die Frage stellen Wer war Hitler. Und das noch ohne die Regeln der Interpunktion zu beachten. Wer war Hitler ist der Titel eines neuen 784-Seiten-Buches aus dem Berliner be.bra verlag, dessen Verzicht auf das Fragezeichen nach Aussage des Verlegers Ulrich Hopp zeigen soll, dass der Leser vielleicht schon alle Antworten in Büchern gelesen, im Fernsehen gesehen und im Radio gehört hat. »In meinem Buch kommt es nicht nur auf Antworten an. Genauso wichtig ist die Frage, wer sie gegeben hat«, sagt der Autor Hermann Pölking.

Hermann Pölking, Jahrgang 1984, war in den achtziger Jahren Gesellschafter beim West-Berliner Verlag Elefanten Press, gründete in Bremen einen Regionalverlag und machte mit einer Agenturgruppe an der Weser Kulturmarketing, vor allem im Bereich der klassischen Musik. Der Publizist ist seit 1983 Herausgeber und Buchautor und seit 1998 auch Dokumentarfilmer. Er gründete ein Archiv, das Filmquellen zur mitteleuropäischen Geschichte sammelt. 2006 und 2007 realisierte er die 18-Stunden-Dokumentation Die Deutschen 1815 bis heute. Er nennt, für einen Hanseaten nicht überraschend, als sein Spezialgebiet die Geschichte deutscher Länder. Zuletzt erschienen von ihm die hochgelobten Bücher Ostpreußen – Biographie einer Provinz und Das Memelland – Wo Deutschland einst zu Ende war sowie die DVD-Edition Ostpreußen – Panorama einer Provinz (alle bei be.bra erschienen). Hermann Pölking lebt in Bremen und Berlin.

Für ein Buch wie Wer war Hitler brauchte es mehr als einen Autor, der die Feder zu führen vermag, die dramaturgische Kraft eines vielseitig und umfangreich Belesenen, der sein Material zu ordnen weiß, war gefordert. Hermann Pölking nennt sein Buch nicht »Biographie«, obwohl das nicht ganz falsch wäre, aber Hunderte von Zeitgenossen haben daran mitgeschrieben. Hitlers Leben und Wirken zeigt sich hier in einem Kaleidoskop aus Meinungen und Ansichten von Mittätern, Mitläufern, Profiteuren, Gegnern und Opfern. Es sind Äußerungen von einfachen Leuten aus aller Welt ebenso wie von Vertretern der Eliten, Staatsmännern und Schlachtenlenkern, von Nationalsozialisten, Konservativen, Christdemokraten, Liberalen, Sozialdemokraten und Kommunisten, alle geboren in den Jahren zwischen 1847 und 1931. Die Montage ihrer Zeugnisse bietet in 17 Kapitel überraschende, vor allem aber authentische Antworten. Schon die Kapitelüberschriften wie »Ein Oberösterreicher«, ein »Ein Wahlredner«, ein »Ein Mörder«, »Der Führer« und »Ein Feldherr« weisen darauf hin.

Die Berichte und Ansichten von Zeitgenossen in diesem Buch beginnen mit einem Prolog »Warum seid ihr armen Jungs hier?«, der in den fünften Kontinent führt. Hermann Pölking schickt seine Leser mit Hitler auf eine lange Reise. »Den kurzen Moment der Weltgeschichte, den Adolf Hitler geschrieben hat«, schreibt Pölking in seinem Prolog, »kann man an vielen Zahlen messen.“ Er nennt dann die Millionen Menschen, die auf Hitlers Befehl und unter seiner Verantwortung überall in Europa ermordet wurden und die Millionen Opfer des von ihm verantworteten Krieges. »Aber nicht nur Zahlen markieren das Erbe der weltgeschichtlichen Erscheinung ›Adolf Hitler‹ – auch Kilometer.« Und deshalb beginnt Pölkings Buch, um dem Gegenstand die angemessene Fallhöhe zu geben, bei den Maoris auf Neuseelands Nord- und Südinsel. Sie sind die Antipoden der Deutschen und Österreicher, denen Hitler seine Macht verdankte. Von Neuseelands Hauptstadt Wellington sind es 18.383 Kilometer bis zu der Stadt, in der Hitler die ersten Jahre seines Lebens verbrachte. »Wir dachten in jener Zeit nicht viel an Krieg und all das in jenen frühen Dreißigern. Aber Hitler trat nach und nach ins Rampenlicht und die Dinge änderten sich«, zitiert der Autor den presbyterianischen Militärgeistlichen Jack Somerville, 1910 geboren in Dunedin, Distrikt Otaga auf der neuseeländischen Südinsel. Nach den Zahlen der Commonwealth War Graves Commission fielen im Zweiten Weltkrieg 11.928 neuseeländische Angehörige der Streitkräfte im Kampf gegen Hitler und seine Verbündeten. Damit liegen die Verluste Neuseeland im Verhältnis zur Bevölkerungszahl höher als die Großbritanniens.

»Ich hasse niemanden, mit Ausnahme Hitlers, und das nur beruflich«, hat der britische Premierminister Winston Churchill im zweiten Kriegsjahr zu seinem Privatsekretär John Colville gesagt. Dieses Zitat stellt der Autor seinem ersten Kapitel voran. Pölking wahrt die gleiche kühle Distanz in Wer war Hitler. Er hat mehr als 3.000 Zitate von mehr als 550 Zeitgenossen ausgewählt. Natürlich lenkt er durch Auswahl und Montage. »Der Leser wird wissen, welche Position er für richtig hält«, ist der letzte Satz im Manuskript. Trotzdem ist nicht zu überlesen, wo die Sympathien des Autors liegen: Bei Hitlers Opfern und jenen, die die Kraft fanden, sich am Ende mit Erfolg zu widersetzen.

Das Buch Wer war Hitler ist in einem Arbeitsprozess zusammen mit einer Kino-Dokumentation und seinen fernsehtauglichen Serien-Satelliten in vier und dreizehn Teilen für die Epoche Media des EX-Spiegel-TV-Geschäftsführers Thorsten Pollfuß entstanden. Hermann Pölking ist bei dem aufwendigen 10-Stunden-Projekt, dessen beide Fassungen im April 2017 ins deutsche Kino kommen, Autor, Regisseur und gemeinsam mit Thorsten Pollfuß und dem Filmarchäologen Karl Höffkes ausführender Produzent.

Die Erzähl-Methode, die Pölking sowohl in Kino-Dokumentation als auch im Buch anwendet, habe zwei Väter, schreibt er im Nachwort: Ken Burns und Walter Kempowski. Walter Kempowski hat in seinem kollektiven Tagebuch der vier »Echolot«-Editionen, erschienen in den Jahren 1993 bis 2005, die Methode, mit Tagebucheintragungen, Briefen, Rundfunkansprachen etc. Geschichte unvergänglich festzuhalten, im deutschsprachigen Raum literarisch etabliert. Pölking wendet seine Methode, in Nuancen und Dramaturgie ähnlich, an.

Seit dem Jahr 1981 produziert der New Yorker Ken Burns Dokumentationen, vor allem für das kleine öffentliche Fernsehen der USA. Seine Serien wie The Civil War (1990), Baseball (1994/2010), The West (1996) und Jazz (2001) haben einen bedeutenden Einfluss auf das Geschichtsbewusstsein in den USA. In der elfstündigen, neunteiligen Dokumentation The Civil War lässt Burns die Geschichte des amerikanischen Bürgerkriegs der Jahre 1861 bis 1865 vor allem mit Tagebucheinträgen, Briefen, Reden und Dokumenten von Zeitgenossen erzählen. Er konfrontiert sie mit Abzügen von Glasplattennegativen, mehr, als dass er sie illustriert. Burns Montagestil habe ihn seit Beginn der 1990er-Jahre stark inspiriert, sagt er.

Ken Burns berichtet in The Civil War über neun Stunden von vier Jahren Bürgerkrieg, Walter Kempowski von sechs Jahren Zweiter Weltkrieg auf fast 12.000 Seiten. Pölkings Gegenstand sind die 56 Lebensjahre von Adolf Hitler. »Ich berichte filmisch maximal elf Stunden, das Buch füllt 784 Seiten. Mein Garn ist nicht so dicht verwoben wie das von Burns und Kempowski. Vielleicht blinzelt uns deshalb durch die Maschen auch Gegenwart zu«, schreibt der Autor im Nachwort. Wer war Hitler ist sicher auch ein Kommentar zur heutigen Zeit.

Knapp 20 Prozent des Buches nehmen »Kapitelvorbemerkungen« ein. In diesen strukturiert der Autor nicht nur die folgenden »Ansichten und Berichte« der Zitate vor. In jeder dieser 17 Vorbemerkungen widmet er sich Biografien und Büchern, die Meilensteine in der achtzigjährigen Geschichte der Beschäftigung von Historikern und Publizisten mit Adolf Hitler waren. Hier bezieht der Autor auch Position, schließt sich Urteilen an oder argumentiert gegen sie. Auch hier wird klar: Nicht Antworten sind wichtig, auch die Menschen, die sie geben.

 

Pressestimmen

»2016 war das beste Hitler-Jahr – für Historiker. … Den letzten Treffer im Hitler-Jahr 2016 erzielte der Journalist und Filmemacher Hermann Pölking. Er montierte unter dem Titel „Wer war Hitler“ aus rund 3200 Zitaten von 550 verschiedenen Zeitgenossen des Diktators eine chronologisch aufgebaute Collage. Das ist ebenso ein neuer, frischer Ansatz wie Sandners Arbeit und ein wichtiger Kontrast zu den immer neuen Hitler-Biografien, die akademische Historiker seit Jahrzehnten vorlegen. … (S)o innovative Werke zu Hitler wie die von Pölking oder Sandner brachte 2016 kein Universitätsprofessor zustande, weder in Deutschland noch außerhalb.«

Sven Felix Kellerhoff, Die Welt N24, 30. Dezember 2016

 

»Ein nicht ungefährliches Experiment: 20Prozent altbekannte Biografie und 80 Prozent Hitler in 3000 Zitaten von 550 Zeitgenossen. 800 Bücher wurden dafür ausgewertet – da durften freilich solche, die von Nazis verfasst wurden, nicht fehlen. Muss man halt aushalten, dass viele Menschen, die ihn privat kannten, Hitler als nett (und fad) beschrieben haben. Man lernt dadurch ja nicht allein Hitler kennen. Ein Graus ist das einerseits. Andererseits liefert die Collage einen überraschend großen Erkenntnisgewinn. Damit ist wieder ein Teil der Bibliothek des Erinnerns geschrieben.«
Wiener Kurier,28. November 2016

 

»Pölkings jetzt im be.bra Verlag erschienenes Buch ‚Wer war Hitler‘ fügt in einer irren Fleißarbeit Ansichten und Berichte von Mittätern, Mitläufern, Profiteuren, Gegnern und Opfern des Nationalsozialismus zu einer Collage der deutschen Geschichte zusammen.«
Sabine Vogel, Berliner Zeitung, 10. Dezember 2016

 

»Noch ein Buch über den kleinen Maler aus Braunau? Braucht es das? Eigentlich nicht. Allerdings ist dieses Buch des Südoldenburger Publizisten das Resultat einer etwas anderen Geschichtsschreibung. In dem Pölking tausende Stimmen von Zeitgenossen zusammenführt, entlässt er seine Leser in hohem Maße in die Unabhängigkeit der Meinungsbildung. Der Autor bekennt, dass er dieses Verfahren von dem großen deutschen Schriftsteller Walter Kempowski entlehnt hat, der in seinem grandiosen „Echolot“-Projekt über den Zweiten Weltkrieg ein kollektives, viel stimmiges, dissonantes Tagebuch entwirft. In diesem Sinn ist auch Pölking ein Bibliothekar der Erinnerung. Das Gelingen eines solchen Projektes verlangt eine hohe Kunst der Montage. Denn der Autor wählt austausenden von Stimmen aus und collagiert diese zu einem möglichst sinnstiftenden Ganzen. Darin liegt die eigentliche Qualität dieses Buches – es ist eine enorme Fleißarbeit und zugleich eine literarische Leistung. Das Buch liefert Erkenntnis-Mehrwert.«
Dr. Dirk Dasenbrock, Oldenburgische Volkszeitung, 25. November 2016

 

»Dem Leser erschließt sich ein Gesamtbild, an dem hunderte Personen mitwirkten, und Poelking schafft auf diese Weise etwas, das den wissenschaftlichen Biographien kaum gelingen kann: Es lässt den Leser nicht selten geradezu den Atem stocken.«
Armin Fuhrer, Online FOCUS, 1. Dezember 2016

 

»Wozu schon wieder ein Hitler-Buch? Weil Hermann Pölking ein Nachschlagewerk mit Berichten von Hunderten von Zeitgenossen von Churchill bis Morell zusammengestellt hat, das erstaunliche Perspektivenwechsel liefert.«
trend. Das Wirtschaftmagazin, Wien, 5. Dezember 2016

 

»In Pölkings Buch werden die Jahre von den Weltkriegswirren ab 1914 über die Machtergreifung 1933 bis zum Selbstmord im Berliner Bunker gleichermaßen polyphon orchestriert. Es erzählt die Geschichte eines Menschenfeinds in zahllosen Splittern, in einem Panorama aus divergierenden Empfindungen, Einblicken, Betrachtungen, Banalitäten, Belanglosigkeiten, die zusammengenommen die Mentalitätsgeschichte einer Epoche belegen, die in Rassismus und Menschenschlachten mündete.«
Wolfgang Paterno, Profil. Österreichs unabhängiges Nachrichtenmagazin, 12. Dezember 2016

 

»Diktator im Spiegel seiner Zeit. Bei oberflächlicher Betrachtung könnte man meinen, Hermann Pölking wäre verrückt geworden. Denn der Bremer Schriftsteller, Publizist und Filmemacher behauptet, dass es ihm nie vorrangig um Adolf Hitler gegangen sei. Gleichwohl hat der 62-jährige in den vergangenen Jahren nach eigenen Angaben weltweit in 112 Archiven recherchiert und 800 Filmquellen aufgetan, um schließlich 660 Minuten Film eben über Adolf Hitler zu produzieren sowie, quasi nebenbei, ein fast 800-seitiges Buch über den Diktator herauszugeben. Wer war Hitler. Ansichten und Berichte von Zeitgenossen ist soeben im be.bra-Verlag erschienen. … Anders als es sich ein Historiker möglicher Weise überhaupt erlauben könne, habe er darauf verzichtet, eine neue Perspektive auf Adolf Hitler zu entwickeln. Vielmehr sei es ihm darum gegangen, möglichst viele Blickwinkel der Zeitzeugen aus den Jahren 1889 bis 1945 abzubilden.«
Alexander Schnackenburg, Weser Kurier, 13. Dezember 2016

 

»3.000 Zitate von Zeitgenossen über Adolf Hitler hat der Autor Hermann Pölking zusammengetragen, in einem 700-Seiten dicken Buch mit dem Titel „Wer war Hitler“. Hermann Pölking sieht historische Parallelen. Er macht Filme und Bücher für die heutige Diskussion.«
Hannelore Hopfer, Salzburg heute; ORF II, 15. März 2017

 

»Pölking montiert die unterschiedlichen Sichtweisen der Zeitgenossen zu einer außergewöhnlichen Biographie, die den Machtmenschen Hitler in neuem Licht zeigt.«
Imogena Doderer, Zeit im Bild, ORF II, 14. März 2017

 

»Durch die vielen Augenzeugenberichte gewinnt man ein lebendiges Panorama unterschiedlicher Perspektiven zu den gleichen Ereignissen.«
Irenes Etzersdorfer, OE1 (ORF1), Sachbuchsendung Kontext, 10. März 2017

 

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