Ostpreußen - Panorama einer Provinz

erzählt aus alten Filmen 1913-1945

5 DVDs im Schuber, inkl. 32-seitiges Booklet
be.bra.verlag, Berlin, Oktober 2014
39,95 € ISBN 978-3-89809-110-7

 

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Selbst Autor und Filmemacher Hermann Pölking kann es sich so richtig nicht erklären, das kollektive „Heimweh“ der Deutschen nach Ostpreußen. Ostpreußens Untergang mit dem Auszug seiner Bevölkerung, eine fast biblische Katastrophe, und die Bilder, die sich davon sicher zu einer „Ikonographie des Untergangs“ vom Kriegsende 1945 zusammengesetzt haben, spielen sicher eine Rolle. Aber es muss noch mehr sein, dass bleibendes Interesse geweckt hat. War es die Nähe zum östlichen Kulturkreis Europas? Der Ostpreußen-Enthusiast Thomas Mann, der seit 1929 auf der Kurischen Nehrung ein Sommerhaus besaß, gab zu, er müsse bei seinen Besuchen „immer an Tolstoi“ denken.

 

 

Noch 70 Jahre nach Flucht, Kriegsende und Vertreibung erscheinen mit Erfolg neue Bücher zur verlorenen Provinz und erleben die Werke von Siegfried Lenz, Marion Gräfin Dönhoff und Hans Graf von Lehndorff immer noch Neuauflagen. Der in Berlin und Bremen lebende Hermann Pölking (Jahrgang 1954) hat nach den Büchern Ostpreußen – Biographie einer Provinz (2011) und dem historischen Reisebegleiter Das Memelland -Wo Deutschland einst zu Ende war (2012) jetzt die fünfstündige DVD-Edition Ostpreußen – Panorama einer Provinz erzählt aus alten Filme 1913 bis 1945 vorgelegt.

Der Zuschauer erlebt das Haff, die Nehrungen und Masurens Seenlandschaft, friedliche Sommer als Gast an der Samlandküste und die harte Arbeit auf den heimatlichen Höfen, ein Panorama des Lebens in den letzten drei Jahrzehnten von Deutschlands nordöstlichster Provinz.

 

 

Die fünf Filme der Edition erzählen ausschließlich aus historischen Filmquellen, es gibt keine Interviews und keine aktuellen Aufnahmen der Landschaften. Mit mehr als 300 Sequenzen aus fast 100 filmischen Quellen entsteht ein facettenreiches Mosaik vor allem alltäglichen Lebens, aber auch von Kultur und Politik. Die ältesten Aufnahmen stammen aus dem Sommer 1913, die jüngsten aus dem Juni 1945. In der Mehrheit hat Hermann Pölking gemeinsam mit Karl Höffkes in einer vierjährigen Recherche Amateuraufnahmen zusammengetragen. Man fand sie in den Heimatstuben der ostpreußischen Kreisgemeinschaften, in Medienzentren überall in der Bundesrepublik, bei Privatpersonen. Neben dem großen Filmarchiv von Karl Höffkes in Gescher, der seit 20 Jahren alles zu Ostpreußen zusammen trägt, steuerten auch das Saeculum Archiv in Berlin, das Archiv von La Camera Stylo in Hamburg und das Landesfilmarchiv Baden-Württemberg aus Stuttgart Amateuraufnahmen bei. Aufnahmen stammen aber auch aus Archiven in den USA und Russlands, aus Landesarchiven und dem Bundesarchiv.

 

 

Die Aufnahmen, im Original alle stumm, wurden sparsam und dann möglichst naturalistisch mit Geräuschen „belebt“. Der Kommentar, im Szenenwechsel von vier Sprechern gesprochen, verortet in Raum und Zeit, lenkt ein wenig den Blick mit Informationen und weist auf markante historische, wirtschaftliche, politische und militärische Fakten und Geschehnisse hin. So fehlen nicht Aufnahmen aus dem Ersten Weltkrieg, der in Ostpreußen 1914 und 1915 auch auf deutschem Boden ausgetragen wurde, Bilder vom Aufstieg der Nationalsozialisten in der Provinz, vom Beginn der Überfälle auf Polen 1939 und die Sowjetunion 1941. Die Hauptquartiere der Wehrmacht und Hitler erscheinen in Filmen und wir sehen sensationelle Amateuraufnahmen von der beginnenden Flucht.

Es war der Ehrgeiz des Filmemachers, vor allem unverbrauchte Bilder zu liefern und Ostpreußen auch von Klischees zu befreien. Ostpreußen war vielfältiger in seinen Landschaften, seiner wirtschaftlichen und politischen Kultur, als wir heute zu wissen glauben. Neben der junkerlichen Herrschaft im Schloss stand der bäuerliche Familienbetrieb, viele Kreisstädte waren tiefste Provinz, aber Königsberg im 20. Jahrhundert eine moderne Großstadt, Elbing eine Industriestadt. Die Küsten und die Seenlandschaft hatte der beginnende deutsche Tourismus schon entdeckt.

 

Die fünf Folgen von Ostpreußen – Panorama einer Provinz

  1. Ostpreußen – Menschen und Landschaften
  2. Ostpreußen 1913 bis 1930
  3. Ostpreußen 1930 bis 1939 – Teil 1: Politik und Alltag
  4. Ostpreußen 1930 bis 1939 – Teil 2: Wirtschaft und Tourismus
  5. Ostpreußen 1939 bis 1945: Krieg, Flucht und Vertreibung

 

 

Pressestimmen

Hermann Pölkings Panorama liefere frische Bilder. Seine DVD-Edition habe den Mythos und das Klischee „Ostpreußen“ herunter auf den Boden der Alltagsgeschichte einer preußischen Provinz, die schon zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg ein deutsches Sehnsuchts- und Sorgenland war, abgetrennt vom Reich, weit im Norden und im Osten gelegen, am östlichsten Zipfel so östlich wie das finnische Turku, heruntergeholt lobt Eckhard Fuhr in einer Besprechung vom 30. November 2014 in „Die Welt“. Der Zuschauer erlebe, wie schön das alte Ostpreußen gewesen sein, „unfassbar schön, viel schöner als im „Ostpreußenlied“ besungen.“ Es sei kein „Land der dunklen Wälder“, sondern eines der weiten Horizonte, in dem Naturschönheit und bäuerliche Kultivierung eine innige, manchmal geradezu ideale Verbindung eingingen“ gewesen. Die DVD-Edition aus bisher unbekannten Amateurvideos habe das alte Ostpreußen auferstehen lassen.
Eckhard Fuhr, Welt am Sonntag, 30. November 2014

 

»Pölking … macht die Geschichte dieses Landstrichs in einer umfassenden DVD-Edition erlebbar und verständlich.«
Nordkurier

 

»Einen faszinierenden Einblick in eine untergegangene Welt eröffnet Hermann Pölking mit seiner Produktion über Ostpreußen. … Besonders hervorzuheben ist das ausführliche Booklet mit einem historischen Abriss und Informationen zur ehemaligen Sprachvielfalt in dieser hierzulande fast vergessenen Region.«
Damals.de