Trailer
Memphis Belle - Die Wahrheit des Luftkrieges
2:00 Min

„Memphis Belle“, die Schöne aus Memphis

So lautete der Spitzname jener berühmten Boeing B-17 der US Airforce, die im Zweiten Weltkrieg über Europa eingesetzt wurde. Margaret Polk, die damalige Freundin des Piloten Captain Robert K. Morgan, war die Namensgeberin. Der amerikanische Filmregisseur William Wyler begleitete 1943 den letzten Flug der Memphis Belle im Auftrag des US Army Air Corps. Aus den dabei gedrehten Aufnahmen und weiterem Material entstand bis Anfang 1944 seine 42-minütige Dokumentation The Memphis Belle - A Story of a Flying Fortress.

Wir haben zusammen mit der Agentur Karl Höffkes dieses Originalmaterial wieder zugänglich gemacht und als 78-minütige Produktion für Pay-TV, Free-TV und auf DVD herausgebracht. Dabei konfrontieren wir es mit dramatischen historischen Filmaufnahmen aus dem damaligen Deutschland – quasi aus der Perspektive des „Zielgebietes“, in dem die Bomben niedergingen – und ordnen es filmhistorisch ein.

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Besprechung in der „Berliner Zeitung“ am 9. August 2012

Jan Bachmann über einen Versuch, den Film Memphis Belle des Hollywood-Regisseurs William Wyler zu ergänzen.

Der Rezensent geht zunächst auf die Schwierigkeit der veröffentlichten deutschen Meinungsmacher ein, ihren Landsleuten für die Zeit des Dritten Reichs und insbesondere des Zweiten Weltkriegs auch einen Opferstatus zuzubilligen. „Dürfen sie ihr eigenes Leid nicht annehmen? Selbst wenn sie vorkeiner Schuld davonlaufen wollen,“ fragt er zu Beginn seiner Besprechung von „Die Memphis Belle – Die Wahrheit des Luftkrieges“.

„Ebenso materialreich wie angestrengt“ nennt Bachmann die Dokumentation und sieht in ihr einen „Erinnerungsslalom“. „Der Bremer Historiker Hermann Pölking hat sich den amerikanischen Dokumentarfilm ‚Memphis Belle‘ des Hollywood-Regisseurs William Wyler (‚Be Hur‘) von1944 vorgenommen.“ Der Film schildere mit spektakulären, aber „hochgradig manipulierten“ Aufnahmen den fünfundzwanzigsten Einsatz eines Kampfflugzeugs, das am 15. Mai1943 Werften und U-Boot-Bunker in Wilhelmshaven bombardierte. Um die Sicht der Sieger so nicht stehen zu lassen,habe Pölking nun Aufnahmen mit dem „Blick von unten“ zwischen die Originaldokumentation montiert, die das Leben zwischen Trümmern, das Sterben in den Flammen in Wilhelmshaven, Bremen, Lübeck und Rothenburg ob der Tauber zeigten. Bachmann folgt Pölking, wenn er die Kommentar behaupten ließe, diese Bilder seien keine Nazi-Propaganda, sondern spontane Amateuraufnahmen und zitiert aus dem Sprecherkommentar: „Wir konfrontieren Sie mi einem Film, der gekonnt Propaganda gemacht hat für eine Sache, die eine gute gewesen war“. Gemeint sei William Wylers Film.

„Mit äußerster Vorsicht gibt sich diese Dokumentation alle Mühe, keinerlei Ideologie zu teilen: weder die von Wyler, der den Deutschen hier den Einzigartigkeitsvermerk des menschheitlich Bösen erteilt, noch die der Nazis, die an der Heroisierung der zivilen Bombenkriegsopfer in Deutschland arbeiteten. Ein Satz des Kommentators zur Sequenz einer Begräbniszeremonie mit Särgen in Hakenkreuzfahnen bringt das redliche Anliegen auf den Punkt: ‚Die Zeremonie ist reine Propaganda –die Trauer der Angehörigen ist echt.‘“

Bachmann kritisiert, die Auflistung nackter Zahlen am Ende folge dann aber doch dem Reflex, die Toten gegeneinander aufzurechnen. 600 000 zivile deutsche Luftkriegstote würden gegen die 13,7 Millionen Opfer deutscher Verbrechen im Kriegsverlauf gestellt. Aber er akzeptiert diesen Weg: „So viel kostet es, in den Deutschen des Zweiten Weltkriegs auch Menschen zu sehen, statt nur böse Bestien, die alle unterschiedslos den Todverdient haben.“