Franz Stock - Gottes Bote im Haus der Todgeweihten

  • D., 45 bis 52 min

Der deutsche Abbé Franz Stock und Frankreichs Märtyrer im Paris der Jahre 1941 - 1944

Franz Stock lebt als Priester der deutschen katholischen Mission in Paris, als der Zweite Weltkrieg ausbricht. Ab Sommer 1941 wird er Seelsorger derjenigen Franzosen, die im Auftrag der deutschen Wehrmacht und der Gestapo im besetzten Paris hingerichtet werden: Geiseln, Widerstandskämpfer, Saboteure, Juden, Kommunisten. Am 29. Januar 1942 beginnt in Paris der 39jährige katholische Priester Franz Stock, aus Neheim im Sauerland stammend, Buch zu führen über die reiche Ernte des Todes, die Hitlers Krieg und Terror im Paris der Jahre 1940 bis 1944 einfährt. Er schreibt ein Pariser Tagebuch, das gerade durch seine Lakonie nebst den Tagebüchern von Anne Frank aus Amsterdam und Tanja Sawitschewa aus Leningrad zu den großen täglichen Zeugnissen der nationalsozialistischen Barbarei gerechnet werden muss. Im Nebenamt muss ein Militärgeistlicher keine Uniform tragen. Franz Stock kleidet - wie die katholischen französischen Geistlichen - die Soutane. In ihr wird Abbé Stock zum Seelsorger derjenigen Franzosen, die von den deutschen Besatzern in den Gefängnissen Cherche-Midi, La Santé und Fresnes inhaftiert sind: Widerstandskämpfer, Saboteure, Kommunisten, französische Juden sowie Pariser, die den Verfolgten Unterschlupf gewährten und verraten wurden. Ihre Erschießung und der willkürlich aus den Inhaftierten bestimmten Geiseln finden zumeist auf einer Lichtung im Fort auf dem Mont Valérien statt. Mehr als 1.000 Menschen werden hier zwischen 1941 und 1944 durch Wehrmacht und der Geheimen Staatspolizei hingerichtet. Franz Stocks Tagebuch erwähnt in kurzen Notizen über 863 Erschießungen, mindestens 560 davon wohnte er selbst bei. Heute heißt der Platz vor dem Denkmal des Kampfes gegen Frankreich, dem „Mémorial de la France Combattante“ in Mont Valérien, nach Franz Stock; eine außergewöhnliche Tatsache auch zu Zeiten der deutsch-französischen Versöhnung.

„Franz Stock - Gottes Bote im Haus der Todgeweihten“ (Arbeitstitel) erzählt von Menschlichkeit und Unmenschlichkeit, Verstrickung und Widerstand, Schuld und Unschuld in Zeiten des Terrors, von Mut, innerer Kraft, Unbeugsamkeit und Glauben im Angesicht des Todes. Die filmische Erzählung konzentriert sich auf Franz Stocks Wirken in den Jahre 1941 bis 1944. Von seiner Kindheit und Jugend in Westfalen berichten wir beiläufig aber eindrucksvoll. Die letzten Lebensjahre – Stock stirbt jung 1948 in Paris – erwähnen wir und verlängern sie knapp in die Geschichte der deutsch-französischen Aussöhnung.

Der Film führt mit zahlreichen Amateurfilmen in Farbe und schwarz-weiß, mit Fotografien und einer Spurensuche in das Paris der Jahre der deutschen Besetzung von 1940 bis 1944. Die Optik wird bestimmt von Fotografien, Film-Footage in Farbe und schwarz-weiß und durch eine subjektive Kamera, die Stocks Position einnimmt: In engen Zellen, bei der Fahrt über das Pariser Kopfsteinpflaster im Morgengrauen, auf dem Transport mit den Häftlingen und auf der Hinrichtungsstätte.