Drei Eriche aus Sachsen (Arbeitstitel)

  • D., 52 min

 

Die Dokumentation erzählt die Geschichte der drei Freunde Erich Kästner, Erich Knauf und Erich Ohser (O.E. Plauen), die sich in Plauen und Leipzig kennen lernen und 1927 gemeinsam in die Weltstadt Berlin gehen, um dort Karrieren starten. „Erich Ohser, Erich Knauf und Erich Kästner, zwei Sachsen aus Plauen und einer aus Dresden, ein Schlosser, ein Setzer und ein Lehrer, die ihre Berufe an den Nagel hängten, ihren Talenten vertrauten, ihre Erfolge hatten und bis auf einen unter Hitler ihr Ende fanden, das sind drei kurze Biographien in unserem Jahrhundert.“ Erich Kästner

Erich Knauf und Erich Ohser sind seit 1921 Freunde. Da ist Knauf Redakteur für Lokales und Kultur bei der „Volkszeitung“ in Plauen und vielfältig kulturell tätig. Ohser absolviert eine Schlosserlehre in der Stadt, in der er seit dem 6. Lebensjahr lebt und hat früh sein Zeichentalent entdeckt. Schon 1922 hat Erich Ohser den Förderer seines Schaffens in einer Porträtzeichnung festgehalten. Von 1921 bis 1926 studiert Ohser in Leipzig an der Staatlichen Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe. Nebenbei arbeitet er bei der „Neuen Leipziger Zeitung“. Dort ist seit 1922 Erich Knauf Redakteur. Der gebürtige Dresdener Erich Kästner finanziert sein Studium aus Einnahmen als Journalist und Theaterkritiker für das Feuilleton der Zeitung.

Erich Knauf ist zu Unrecht der am wenigsten bekannte der drei Freunde. Er wird 1928 Cheflektor und literarischer Leiter der gewerkschaftlichen „Büchergilde Gutenberg“. Er hatte noch in Leipzig am 24. August 1924 an der Gründungsversammlung der Büchergilde Gutenberg, der „Gemeinschaft von Autoren, Druckern und Buchlesern“, teilgenommen. Knauf, selbst Autor des Reportage-Romans „Ca ira“ aus den Tagen des Kapp-Putsches, bindet eine jüngere Generation von Schriftstellern an sich und verleiht dem Programm der Büchergilde mit Sachbüchern „linkere“ Akzente. Er fördert den Schriftsteller B. Traven, sorgt für die Veröffentlichung von Romanen Upton Sinclairs und lässt verstärkt Bücher sowjetischer Literatur und Geschichte verlegen.

Während Ohser und Knauf sich als linke Sozialdemokraten sehen, kann sich Kästner, der 1930 mit Ohser auf Einladung die Sowjetunion besucht und - wie dieser – sie für nicht gut und lebenswert befindet, nicht für eine Partei entscheiden. „Ich bin Mitglied einer Partei, die es nicht gibt, denn wenn es sie gäbe, wäre ich nicht ihr Mitglied.“ Seine Devise lautet, sich von niemandem vereinnahmen zu lassen und doch Haltung zu zeigen. 1932 initiiert Kästner einen Aufruf zu einer einheitlichen Arbeitereinheitsfront, also zur Zusammenarbeit von SPD und KPD gegen den immer stärker werdenden Nationalsozialismus.

Die drei Sachsen in Berlin versuchen, sich ab 1933 mit den neuen Machtverhältnissen, zu denen sie in Opposition stehen, zu arrangieren. Nach Schließung der Büchergilde 1933 geht Knauf zum Berliner „8-Uhr-Abendblatt“. Er wird 1934 wegen einer kritischen Opernkritik, die „nicht Staats- sondern Volksoper“ fordert und den Zorn Hermann Görings erregt, aus dem „Reichsverband der Deutschen Presse“ ausgeschlossen und für zehn Wochen in das Konzentrationslager Oranienburg eingeliefert. Nach dem faktischen Berufsverbot durch den Ausschluss aus „Reichsverband der Deutschen Presse“ ist Knauf freiberuflich in der Werbung tätig und findet nur ein kärgliches Auskommen. Während Kästners Karriere beendet ist und er als ungenannter Drehbuchschreiber überlebt, machen Ohser als Karikaturist der Berliner Illustrirten Zeitung (Vater und Sohn) und Erich Kästner als Pressechef der Terra Film (Quax, der Bruchpilot, Jud Süß, Kolberg) und auch Schlager-Texter (Heimat, Deine Sterne) durchaus Karriere. Sie können aber im privaten Umgang ihre Einstellung und ihre Meinungen nicht verbergen. „Sie wollten, mit einem Minimum an Konzessionen, das braune Reich überdauern. Sie hofften, es werde gut gehen. Es konnte nicht gut gehen, und es ging nicht gut. Sie verleugneten ihre eigentlichen Talente, damit sie nicht missbraucht würden. Ihre eigene Meinung konnten sie auf Dauer nicht verbergen." Erich Kästner

Erich Ohser und Erich Knauf werden vom Verleger Bruno Schultz, ihrem Mitbewohner in Kaulsdorf bei Berlin, denunziert. Schultz ist von 1927 bis 1938 Herausgeber Jahreszeitschrift „Das Deutsche Lichtbild“. Seit 1938 gibt Bruno Schultz „Das Deutsche Aktwerk“ heraus. Schultz und seine Frau sind ebenso wie Ohser und Knauf ausgebombt. Während der Nächte im Luftschutzkeller äußern sich Ohser und Knauf freimütig über die aktuelle politische Situation. Schultz und dessen Frau notieren sich, was Knauf und Ohser sagen. Am 22. Februar 1944 zeigt Schultz Knauf und Ohser durch eine schriftliche Denunziation bei Joseph Goebbels an. Ohser habe über Goebbels gesagt, dieser habe „als sogenannter Minister alle deutschen Künstler durch idiotische Verfügungen so gedrosselt und vergrämt, dass die deutsche Kunst, wie ja vom Blinden zu sehen“ sei, „vor die Hunde gegangen ist …“. Am 28. März 1944 werden Knauf und Ohser verhaftet. Goebbels erklärt den Fall zur Chefsache und fordert Roland Freisler, den Präsidenten des Volksgerichtshofs auf, die Sache rasch zum Abschluss zu bringen. Der Prozess wird am 6. April eröffnet. Ohser stirbt in der Nacht zuvor durch Selbstmord durch Erhängen an seinen Hosenträgern.

Knauf wird von Freisler „wegen defätistischer Äußerungen im Luftschutzkeller“ zum Tode verurteilt. Heinz Rühmann setzt sich für Erich Knauf, ein, aber ohne Erfolg. „Aber was konnten wir gegen die Todesurteile unternehmen?" fragt Ilse Werner in ihrer Biografie „So wird's nie wieder sein ... Ein Leben mit Pfiff“. Knauf wird am 2. Mai 1944 im Zuchthaus Brandenburg enthauptet. Erich Knauf, heißt es im Protokoll des Justizangestellten Karpe, war auf dem Weg zum Schafott ruhig und gefasst und ließ sich ohne Widerstreben aufs Fallbeil legen, nachdem ihm vom Anstaltsarzt Dr. Müller sieben Liter Blut für Wehrmachtskonserven abgenommen wurden.