Der Bruderkrieg

Deutsche und Franzosen 1870/71

Hermann Pölking • Linn Sackarnd

Der Deutsch-Französische Krieg von 1870/71 markiert einen zentralen Einschnitt der europäischen Geschichte. Doch trotz seiner großen Bedeutung ist er aus dem kollektiven Bewusstsein verschwunden. Dabei bereitet er erst den Boden für die beiden Weltkriege und das Völkerschlachten des 20. Jahrhunderts. Dieser Krieg legt die Saat für eine Erbfeindschaft, die für drei Generationen das Verhältnis zwischen Deutschen und Franzosen vergiftet. Geschichte spannend erzählen und aus der Erzählung heraus erklären, mit einem viel hundertfachen Stimmengewirr die Leserin und den Leser eintauchen lassen in eine Zeit, die uns heute noch interessieren muss – dieser Aufgabe haben sich Hermann Pölking und Linn Sackarnd in „Der Bruderkrieg“ gestellt.

Ihr Buch ist ein biografisches Panorama eines Krieges, das auf hunderten von Briefen, Tagebüchern und Erinnerungen derer basiert, die diesen Krieg erlebt haben. „Der Bruderkrieg“ spürt in lebendigen Vignetten und erstaunlichen Anekdoten ein tragisches und dramatisches Geschehen auf, dessen Folgen weit ins 20. Jahrhundert hineinreichen. Die Autoren trauen sich, Geschichte aus ungewohnten Blickwinkeln zu betrachten und am Lack nationaler Gewissheiten zu kratzen, lassen aber den Patriotismus und Heroismus der Zeitgenossen nicht außen vor und erzählen mit Empathie für die immergleichen Opfer aller Kriege. Hermann Pölkings und Linn Sackarnds große Erzählung „Der Bruderkrieg“ ist entstanden aus jahrelangen Recherchen und aus der intensiven Lektüre der Erinnerungsliteratur von Offizieren und einfachen Soldaten, von Politikern und Zivilisten, Männern wie Frauen. Sie berücksichtigt erstmals die deutsche und die französische Seite und öffnet auch den internationalen Blick auf diesen Krieg.

>

Pressestimmen

"Der Bruderkrieg" von Hermann Pölking und Linn Sackarnd konzentriert sich alleine auf den Krieg selbst. Dazu berücksichtigen die beiden Autoren ausführlich, welche Auswirkungen der Krieg auf Frankreich hat: im täglichen Leben der betroffenenen Landbevölkerung und politisch vom Zusammenbruch des Kaiserreichs, über die Gründung der Republik bis zum Aufstand der Kommune in Paris.“
Preußens Sieg und Deutschlands Hybris - Jörg Himmelreich, Deutschlandfunk Kultur, Buchkritik 27. Juli 2020

„Zitate machen den Reichtum des Buches aus. Aus der Detailfülle formt sich ein riesiges Mosaik einer Form von Geschichtsschreibung, die sich als oral history beschreiben lässt. Die Stärke dieser Darstellungsform ist manchmal auch ihre Schwäche. Die oft endlos aneinandergereihten oder gegenübergestellten Zitate haben sicher auch etwas damit zu tun, dass das Buch flankierend zur gleichnamigen Arte-TV-Dokumentation erschienen ist. Für interessierte Leserinnen und Leser, die vielschichtig in die Materie vordringen wollen, bietet ‚Der Bruderkrieg 1870/71‘ in dieser Form so noch nicht komprimierte Möglichkeiten medialer Vertiefung.“
Die Mär von der Erbfeindschaft - Alexander Dick, Badische Zeitung, 6. September 2020

"Der Bruderkrieg" erzählt Geschichte anders als der Mainstream der historischen Sachbücher“ stellt die Rezension der Oldenburgischen Volkszeitung fest. An den bildhaften Schilderungen, am Buchaufbau und den dramaturgischen Zuspitzungen sähe man, dass die Autoren parallel an einer TV-Dokumentation gearbeitet hätten. „Geschichte nicht erklären, sondern aus der Erzählung verständlich machen“, das sei der Ansatz von ‚Der Bruderkrieg‘ erklärt das Autoren-Duo. Das gelingt ihnen.“
Der vergessene Krieg - Dirk Dasenbrock, Oldenburger Volkszeitung, 15. August 2020

Bei einigen Zweifeln folgt der Rezensent Alexander Dick den Autoren Pölking und Sackarnd doch in der Qualifikation des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71 als „Der Bruderkrieg“. „Wenn es stimmt, dass die Bauern in Schweinfurt in den Tagen der Mobilmachung Mitte Juli 1870 sagten, ‚lieber 100 Jahr französisch als ein Jahr preußisch“‘ unterstreicht das auch, dass in den niedrigen Ständen jenseits der Großstädte keineswegs der Wunsch nach einer deutschen Nation dominierte.“ Zitate wie diese machten den Reichtum des Buches aus, meint der Rezensent. Dick: „Aus der Detailfülle formt sich ein riesiges Mosaik einer Art von Geschichtsschreibung, die sich als oral history beschreiben lässt.“ Manchmal sei etwas zuviel Fülle. „Für interessierte Leserinnen und Leser, die vielschichtig in die Materie vordringen wollen, bietet ‚Der Bruderkrieg 1870/71‘ in dieser Form jedenfalls so noch nicht komprimierte Möglichkeiten der medialen Vertiefung.“
Alexander Dick, "Der Sonntag in Freiburg" (PDF), 6. September 2020

Viel Lesemotivation würde „Der Bruderkrieg“ voraussetzen, schreibt Helmut lange im „ekz-bibliotheksservice“.“Anders als konventionelle Geschichtsdarstellungen würden die Kriegsereignisse aus der Perspektive von Zeitzeugen und aufgrund ihrer überlieferten Berichte und Korrespondenzen gezeigt. Beide Seiten kämen zu Wort, dazu die Reporte der internationalen Kriegsberichterstatter. „Damit bekommen Elend und Grausamkeiten der Schlachten einen wichtigen Platz. Gut gelungen sind auch die Beschreibungen der politischen, ökonomischen und soziokulturellen Ausgangslagen beider Nationen, der Stand der Rüstung und die Kriegsursachen.“ Der Rezensent bemängelt, dass das Buch zu wenig Karten habe.
Helmut Lange, „ekz-bibliotheksservice“, September 2020

„Näher kann man dem Krieg nicht kommen“

In der Sachbuchbeilage der „Süddeutschen Zeitung“ zur Frankfurter Buchmesse 2020 hat Gustav Seibt unter der Überschrift „Das zweite Kaiserreich: Blut, Eisen, Spott“ vier neue Sachbücher zum zweiten deutschen Kaiserreich besprochen. Sie würden, so Seibt, „ein erfreulich vielfältiges Bild“ Bild zeichnen. Militärhistorisch sei in ihnen u.a. der Krieg von 1870/1871 als spezifisch moderner Krieg an der Schwelle zwischen individuellem Töten im Nahkampf und technisch-industrieller Kriegsführung regelrecht neu entdeckt worden.

Vor allem sei die Perspektive von einfachen Soldaten und Zivilisten aufgenommen worden. Seibt lobt dann das im Herder-Verlag erschienene Buch „Der Bruderkrieg, Deutsche und Franzosen 1870/71“. „Ein gewaltiges Augenzeugenpanorama entfalten Hermann Pölking und Linn Sackarnd in einem voluminösen Begleitband zu einer mehrteiligen Dokumentation, die ‚arte‘ sendete. Näher kann man dem Krieg nicht kommen, bis zu dem ergreifenden Gedicht Rimbauds über einen Gefallenen, den ‚Schläfer im Tal‘, das von Stefan George so meisterlich übertragen wurde. Nun erfährt man die Entstehungsbedingungen dieser lyrischen Ikone und ihre Nähe zum realen Tod, wie er in Sedan von Tausenden gestorben wurde.“ Das Fazit des Rezensenten in der Süddeutschen Zeitung: Da jeder gebildete Franzose Rimbauds Verse im Ohr habe, sollten auch die Deutschen ihre Entstehungsgeschichte kennen.
Gustav Seibt, „Süddeutschen Zeitung“, 12. Oktober 2020

„Vielstimmiges Panorama“

Hermann Pölking und Linn Sackarnd würden ein Panorama des Deutsch-Französischen Krieges offerieren schreibt Gerd Fesser in einer Besprechung vom 5. Dezember 2020 in der Tageszeitung „Neues Deutschland“. Die Autoren hätten das „umfangreichste Buch“ zum Jahrestag geschrieben lobt der Kritiker. Im gesamten Band würden die Verfasser immer wieder Episoden aus dem Erleben deutscher und französischer Militärs und Zivilpersonen einfügen und aus deren Erinnerungen zitieren. „Diese Episoden machen das Buch zu einem vielstimmigen Panorama des Krieges.“
Gerd Fesser, „Neues Deutschland“, 5. Dezember 2020

Zitate

"Kanonier Detje, ein guter, braver Kamerad, wurde von den todwunden Pferden weit weg geschleudert, er lag, von einem Sprengstück der Granate schwer getroffen, nur wenige Schritte von uns entfernt; trotzdem die Eingeweide aus der klaffenden Wunde traten, lebte der Ärmste noch lange."
Friedrich Freudenthal, Obergefreiter im Schleswig-Holsteinischen Feldartillerie-Regiment

„Wie strahlt ihr vor Freude, ihr fremden Sieger, über unser Weh! Im Triumphe zieht ihr vorüber, neben euch her das Sterben und das Elend, und ihr achtet es nicht und seht es nicht.“
Katharina Klein, Schwester des Pfarrers von Fröschweiler, Elsass, 6. August 1870

„Es ist nicht angenehm, nur Zuschauer solchen Geschehens zu sein. Es hat etwa Gefühlskälte, wenn man an einem Fernglas stehend sieht, wie Männer in Stücke zerfetzt werden.“
William Howard Russell, britischer Kriegsberichterstatter, Sedan, 2. September 1870

„Wir befinden uns in keinem generösen Krieg mehr. Zu dieser Stunde bringt allein die Vernichtung eines Volkes den Frieden. Entweder Frankreich oder Preußen. Oder, wenn es sein, muss, Frankreich und Preußen auf einmal.“
Émile Zola, Schriftsteller, Oktober 1870

„Der deutsche Kaiser, das Deutsche Reich, Bismarck, die laute preußische Begeisterung, die vielen Stiefel, das alles macht mich unendlich traurig.“
Prinz Otto von Bayern, Brief an seinen Bruder König Ludwig II., 19. Januar 1871