Der Bruderkrieg

Deutsche und Franzosen 1870/71

Serie in drei Teilen von Hermann Pölking und Linn Sackarnd

  • D 2020
  • Länge 3 x 52 bzw. 3 x 45 Min
  • Produktion: LOOKS Film International, Leipzig
  • Sender: ARTE, ZDFinfo
  • Creative Producer: Andreas Fauser (LOOKs)

 

 

Die Serie

Im Sommer des Jahres 1870 begann ein Krieg, der für Generationen Feindschaft zwischen zwei Nachbarvölkern, Franzosen und Deutschen, säte. Als einer seiner Folgen wurde Frankreich auf Dauer eine Republik und Deutschland zum Einheitsstaat.

Die dreiteilige Serie „Der Bruderkrieg – Franzosen und Deutsche 1870/71“ lässt in jeweils einer Episode drei Protagonisten aus ihrer Perspektive von ihrem Kriegserleben berichten. Geneviève Bréton , eine 21-jährige, an Politik interessierte Pariserin aus gutem Hause erlebt den Krieg in der belagerten Hauptstadt. Der 49-jährigen britischen Kriegsreporter William Howard Russell ist damals der berühmteste Kriegsreporter der Welt. Und dem 38-jährigen preußischen Generalstabsoffizier Paul Bronsart von Schellendorff beschert der Tag der Schlacht von Sedan einen Moment des Ruhms. Die subjektiven Erinnerungen, festgehalten in ihren Tagebüchern, werden mit den Orten des Geschehens, mit hunderten Fotografien der Pioniere der Fotografie und in Gesprächen mit sieben britischen, deutschen und französischen Historikern zu einem Panorama einer Zeit des Umbruchs verwoben.

 

Die Episoden

Episode 1 „Geneviève Breton - Eine Pariserin“

Die 20-jährige Geneviève Breton lebt mit ihrer Familie in Paris. Für sie völlig überraschend bricht im Juli 1870 ein Krieg aus, der mit dem Vormarsch der deutschen Heere bis vor die Stadtmauern der Weltmetropole Paris gelangt und auch ihr Leben verändern wird.

Geneviève Breton ist bestürzt, als der Krieg ausbricht. Aber dann wird auch sie von patriotischer Begeisterung ergriffen. Die Episode 1 lässt die junge Frau durch ihr Tagebuch von ihrer Sicht auf das Kriegsgeschehen berichten. Als die Niederlage Frankreichs von Sedan Anfang September 1870 zum Sturz des Kaisers Napoleon III. führt, begrüßt sie euphorisch die neue Republik. Aber sie ist auch in Sorge – vor neuen Umstürzen, und wegen des Fortgangs des Krieges. Mitten im Krieg verlobt sie sich mit dem Maler Henri Regnault. Die Belagerung von Paris durch am Ende 300.000 Preußen, Bayern, Sachsen und Württemberger macht den Krieg auch für sie spürbar. Gemeinsam mit 300.000 Pariser Bürgern und 200.000 Soldaten wird ihr Verlobter die Hauptstadt Frankreichs auf den Wällen und vor den Toren der Stadt mit der Waffe verteidigen. Und Geneviève Breton erlebt, wie ein moderner Krieg zwischen Zivilisten und Kämpfern nicht mehr unterscheidet. Ihre Erinnerungen verweben sich mit historischen Fotografien, Aufnahmen der Originalschauplätze, Interviews, Karten und Erzählerstimme mosaikhaft zu einem Panorama des Krieges von 1870/71, der für die junge Frau ein tragisches Ende nimmt.

 

Episode 2 William Howard Russel - Ein britischer Kriegskorrespondent

Der 49-jährigen Brite William Howard Russell schreibt für die Londoner „Times“. Als im Juli 1870 der Krieg zwischen Franzosen und Deutschen ausbricht, ist er der berühmteste Kriegsreporter der Welt. Er folgt er den Heeren auf die Schlachtfelder und vor die Tore des belagerten Paris.

Der Krieg von 1870/71 ist mit seinen Massenheeren, den Möglichkeiten neuer Waffen, der Eisenbahn und der elektrischen Telegrafie bereits ein moderner Krieg. Innerhalb weniger Stunden gelangen Nachrichten von den Schlachtfeldern in die Zeitungsredaktionen. Und Europas Bürgertum ist geradezu „zeitungssüchtig“. Die Episode folgt Russell mit Auszügen aus seinem Kriegstagebuch zu den Schlachten im Elsass, bei Sedan und zur Belagerung von Paris. William Howard Russell ist der Erfinder der modernen Kriegsreportage. Er schreibt mit Sinn für anrührende Details und mit Empathie für die Soldaten und zivilen Opfer. Er erzählt von Heroik, Tragik und Dramatik, aber er gibt den Opfern auch Namen. Russell steht auf Feldherrnhügeln, durchstreift Schlachtfelder und ist zugegen, als am 18. Januar 1871 im Spiegelsaal von Versailles unter dem Donner der Beschießung von Paris das Deutsche Kaiserreich ausgerufen wird. Seine Tagebuchaufzeichnungen verweben sich mit historischen Fotografien, Aufnahmen der Originalschauplätze, Interviews, Karten und Erzählerstimme mosaikhaft zu einem Panorama eines Krieges, der im Juli 1870 begann, im Januar 1871 endete und das Verhältnis von Deutschen und Franzosen auf lange Zeit vergiftete.

 

Episode 3 „Paul Bronsart von Schellendorff - Ein preußischer Generalstabsoffizier“

Der Tag von Sedan brachte ihm einen Moment des Ruhms: der 38-jährige Oberstleutnant Paul Bronsart von Schellendorff wird am 1. September 1870 in die schon sturmreif geschossene Festung Sedan entsendet. Er soll Frankreichs Kaiser Napoleon III. überzeugen, den Kampf einzustellen. Denn Preußens König Wilhelm I. stehe mit seiner überlegenen Armee auf den Höhen rund um die Stadt. Napoleons Armee kapituliert. Aber dann geht der Krieg weiter.

Die Episode 3 folgt dem Verlauf des Krieges auf der Spur von Paul Bronsart von Schellendorffs „Kriegstagebuch“. Dass der Krieg von 1870/71 Frankreich und nicht Deutschlands Landschaften verheert, ist auch das Werk von Paul Bronsart von Schellendorffs. Er leitet die Operationsabteilung im preußischen „Großen Generalstab“. Er hat brillant den Aufmarsch der deutschen Armeen geplant, die im Sommer 1870 den Krieg nach Frankreich hineintragen. Dort wird bis in den nächsten Winter weitergehen und sich von einem Kabinettskrieg nach alten Regeln zu einem Krieg zweier Völker wandeln. Aus Bronsart von Schellendorfs „Kriegstagebuch“ wird deutlich, wie Preußens Offizierskaste ihr Handwerk mit tödlicher Konsequenz betreibt. Seine Notizen verweben sich mit Historikerinterviews, der Erzählerstimme, Karten und historische Fotografien und Aufnahmen der Originalschauplätze zu einem eindrückliche Bild des Krieges, an dessen Ausgang das neue Deutsche Reich dem Verlierer Frankreich Friedensbedingungen aufzwingt, die das Verhältnis der Nachbarn auf lange Zeit belasten.

 

Die Pressestimmen

Alain Constant in „Le Monde“, 18. August 2020

Auf „originelle Weise“ und reich an Archivfotografien und aufschlussreichen Zeugnissen deutscher, französischer und britischer Historiker sei die Serie schreibt Alain Constant, die er als „neue und qualitativ hochwertige Dokumentarfilme“ bezeichnet. Am erstaunlichsten seien zweifellos die Berichte des Journalist William Howard Russell.

„Der Brite irischer Abstammung, Genießer und aufmerksamer Beobachter war der erste, der Berichte während des Krimkrieges in den 1850er Jahren veröffentlichte. Er arbeitete für The Times für The Illustrated London News, eine neue wöchentliche Lektüre auf der ganzen Welt Russell war 50 Jahre alt, als Napoleon III. Preußen am 19. Juli 1870 den Krieg erklärte. Während Frankreich ausländische Korrespondenten fernhielt, begrüßte Preußen sie mit offenen Armen. Russell wird vom preußischen Stab offiziell eingeladen und wird die Schlachten, die Belagerung von Paris und die Feierlichkeiten zum deutschen Sieg in Versailles genau verfolgen. Seine Zeugnisse sind faszinierend.“

 

Benjamin Puech in „Le Figaro“, 18. August 2020

Die „reichhaltige Dokumentarfilm“ zeige, dass der Krieg von 1870 die Modernität und den Schrecken der globalen Konflikte des 20. Jahrhunderts ankündigte, schreibt Benjamin Puech in „Le Figaro“. Wirkliche Kenner der Zeit wie die Professorin Julie d'Andurain von der Universität Lothringen und Robert Tombs von der Cambridge University kämen in der ARTE-Dokumentation zu Wort, lobt der Autor. Sie relativierten aber auch die Modernität dieses Konflikts, in dem Eisenbahnen, Telegraphen und Langstreckengewehre allerdings schon eine entscheidende Rolle spielen.

 

Manfred Riepe in „Der Tagesspiegel“, 16. August 2020

Die Serie füge Tagebucheintragungen, historische Fotografien, Experteninterviews und Erzählerstimme „mosaikhaft zum vielstimmigen Panorama einer militärischen Auseinandersetzung, die Europas Landkarte nachhaltig veränderte habe“, findet Manfred Riepe in „Der Tagesspiegel“. Sie sei aufwendig recherchiert. „Der dreiteilige Dokumentarfilm von Hermann Pölking-Eiken und Linn Sackarnds basiert auf einer gleichnamigen Buchpublikation, die dieser Tage erscheint.“

 

Matthias Hannemann in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Paywall) vom 18. August 2020
 

„Bei Arte läuft man zu Hochtouren auf“ schreibt Matthias Hannemann in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung. „Ein Themenabend schildert den Krieg in fast allen Facetten bis hin zu den Ratten, Vögeln und Zootieren, die man in Paris ob der monatelangen Belagerung durch deutsche Truppen zu essen begann.“ Der Schrecken des Krieges sei „unmissverständlich greifbar“ stellt der Rezensent fest, man müsse aber auch Geduld für die Dokumentationen mitbringen. Drei erzählte Geschichten würden den roten Faden bilden, gespeist „aus drei ausführlich vorgestellten Originalquellen, eine pro Folge, ruhig verlesen durch Stimmen im Off, während die Kamera zeitgenössische Fotografien oder Landschaften und Hausfassaden von heute abfährt. Dazu nur einige Geräusche und Musik – wie im Hörspiel.“

 

Frank Lassak in „Die Welt“, 18. August 2020

Die Doku-Reihe „Der Bruderkrieg – Deutsche und Franzosen 1870/71“ würde ein „vielschichtiges Bild des Konflikts“ zeichnen, schreibt Paul Lassak in „Die Welt“. Hermann Pölking und Linn Sackarnd hätten die „Befindlichkeiten der Kriegsparteien analysiert“. Vor allem die recherchierten Fotografien würden die Erinnerung an den Krieg auf eine besondere Art lebendig erhalten.

 

Thomas Gehringer in „epd Medien“, 14. August 2020

Es gäbe zahllose Dokumentationen zur Zeitgeschichte des 20. Jahrhunderts, doch der deutsch-französische Krieg von 1870/71 sei im Fernsehen bisher nur selten beachtet worden, schreibt Thomas Gehringer in den epd medien 32/20 vom 14. August 2020

„Insofern füllt der Dreiteiler ‚Der Bruderkrieg‘ von Hermann Pölking und Linn Sackarnd, die auch ein Buch mit diesem Titel veröffentlicht haben, eine Lücke.“ „Segen und Fluch zugleich“ sei die Methode, die Pölking und Sackarnd für ihre Erzählung gewählt hätten. „In jeder einzelnen Folge wird der gesamte Kriegsverlauf erzählt, von der diplomatischen Krise um die Nachfolge auf dem spanischen Thron im Vorfeld bis zum Waffenstillstand Ende Januar 1871. Dreimal siegen die Preußen und ihre verbündeten Armeen in den ersten Schlachten im Elsass, dreimal wird Metz belagert und eingenommen, dreimal kapituliert Napoleon III., dreimal wird in Paris die Republik ausgerufen, dreimal leiden die Bewohner der eingeschlossenen Hauptstadt an Hunger, Kälte und den Bombardements mit den Krupp'schen Kanonen. Die Redundanzen relativieren sich allerdings, weil jede Folge eine andere Perspektive und auch andere.“

 

Dirk Dasenbrock in „Oldenburgische Volkszeitung“, 15. August 2020

Der Krieg würde ein Gesicht bekommen, schreibt Dirk Dasenbrock in einer Besprechung der ARTE Serie „Der Bruderkrieg“ in der „Oldenburgischen Volkszeitung“ am 15. August 1´2020. Aus den Tagebuchnotizen der drei ausgewählten Protagonisten, aus Interviews mit Historikern, mit Aufnahmen von Kriegsschauplätzen, vor allem aber erstmals auch mit aufwendig recherchierten Aufnahmen von Pionieren der Fotografie würde ein Geschehen verständlich, das fast 100 Jahre Deutsche und Franzosen entzweit habe. Das Fazit des Rezensenten: „Unbedingt sehenswert.“