Als der Norden im Mondfieber war

Ein Film von Christiane Schwarz und Hermann Pölking

Produktion

Es war die Nacht vom 20. auf den 21. Juli 1969. Der Himmel über Norddeutschland war leicht bewölkt, in einigen Gegenden war es etwas regnerisch. Aber die meisten Menschen interessierten sich in dieser Nacht nicht für das Wetter. Sie saßen gebannt vor dem Fernseher oder dem Radio und verfolgten das bis dahin größte technische Abenteuer der Menschheit: Um 3 Uhr, 56 Minuten und 20 Sekunden Mitteleuropäischer Zeit betrat der erste Mensch den Mond. Der US-Astronaut Neil Armstrong setzte seinen Fuß ins „Meer der Ruhe“ und sprach die Worte, die in die Geschichte eingehen sollten: „Das ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer Sprung für die Menschheit“.

Weltweit erlebten geschätzte 500 Millionen Menschen diesen Moment live mit. 50 Jahre später zeigt die Dokumentation „Als der Norden im Mondfieber war“ in der Reihe „Unsere Geschichte“, wie diese Pioniertat der Ingenieure wochenlang auch die Menschen in Norddeutschland fesselte. Der Film dokumentiert auch, dass ohne Wissenschaftler und Techniker aus Norddeutschland diese Reise zum Mond gar nicht möglich gewesen wäre.

Zwischen Flensburger Förde und Weserbergland, zwischen Ostfriesland und Vorpommern erzählen Menschen ihre Erinnerungen an jene Sommernacht, die auch eine Sternstunde des Fernsehens war. Der Flug von Apollo 11 bescherte dem Ersten Deutschen Fernsehen (heute: Das Erste) Einschaltquoten wie sonst nur beim Endspiel einer Fußballweltmeisterschaft. Günter Siefarth, dem Publikum durch die „Sportschau“ bekannt, kommentierte als Experte neben Ernst von Khuon 25 Stunden lang das Geschehen im Universum.

Die Gesprächspartnerinnen und -partner holen für diesen Film ihre persönlichen und fotografischen Erinnerungen hervor. Sie wissen noch genau, wer oder was sie damals waren, wo sie sich aufgehalten und was sie gedacht oder gehofft haben. Zu Wort kommen unter anderem Astronauten, Lehrerinnen und Lehrer, Landwirte, Hausfrauen, passionierte „Sternekieker“. Sie erzählen aus dieser Nacht, als Salzstangen auf den höhenverstellbaren Couchtischen gegessen wurde, während Armstrong und Aldrin in schemenhaften Schwarz-Weiß-Fernsehbildern über den Mond sprangen. Einige berichten, wie sie Eltern geworden sind in jener Nacht. Und: Es gibt die Geschichte, wie ein Lebenstraum für eine Vierjährige, die heute Luft- und Raumfahrtingenieurin ist, begann, zu einer Zeit, wo die Welt vielerorts doch noch sehr begrenzt war.

Die Reise in das Norddeutschland vor 50 Jahren führt sowohl im Osten als auch im Westen in ein Land „hinterm Mond“, dass noch keine Kopierer, Faxgeräte und Homecomputer, geschweige denn Smartphones kannte. Für Norddeutschland liegt der Start der Reise zum Mond aber noch weiter zurück: Bereits zwischen 1920 und 1945 schafften Raketenforscher in der Lüneburger Heide, im Osnabrücker Land und auf Usedom mit ihren zum Teil tödlich ausgegangenen Experimenten die Voraussetzungen für das große wissenschaftliche Abenteuer im Sommer 1969.

 

https://www.fernsehserien.de/unsere-geschichte/folgen/137-als-der-norden-im-mondfieber-war-apollo-11-1276287